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Hermann Fritz - Gedichte

Frühlingserwachen

© Hermann Fritz 1944

Wenn Du gehst auf Frühlingswiesen
die Sonne lacht auf Feld und Wald
wenn Du siehst, wie Knospen sprießen
hörst, wenn Kuckucks Ruf erschallt
wenn Du singst aus voller Kehle
Blumendüfte atmest ein
wenn Du jauchzst aus voller Seele
springest über Strauch und Stein
wenn keimet in Dir das Erwachen
und Du schaust in dich hinein
ob die Wahrheit ist entfachet
ob Du's wert bist, Mensch zu sein
wenn Du Blumen kannst verstehen
mit dem Wurm am Boden sprichst
erkennst das Werden und Vergehen
dann in Dir auch Frühling ist

 

Trennlinie

 

Dominik

© Hermann Fritz

Zur Beichte ging mit frommen Blick der junge Bauer Dominik.
Doch der Herr Pater Quadrian im Beichtstuhl war ein harter Mann.
Er wollte ihn Verschied'nes fragen und konnte auch nicht alles sagen.
Und hatte er auch nichts verbrochen, er wurde doch nicht freigesprochen.
Zu Dominik sagt er "Mein Kind, ich weiß, daß alle sündhaft sind.
Doch du hast es zu arg getrieben, weil dich fast alle Mädchen lieben.
Drum komm heran, du unglücksel'ger Mann und beicht' mir deine Sünden an."

Da sprach der Bauer ganz verschämt "Wenn Ihr mich nicht in Übel nehmt,
so will ich Euch auch nichts verhehlen, von Eurer Köchin was erzählen.
Sie kam des Abends spät zu mir und klopfte an der Küchentür.
Sie kam ganz freundschaftlich herein, und bat mich in den Garten fein.
Auf jener Bank, die Ihr gemacht, da saßen wir die ganze Nacht.
Doch endlich schlug die Trennungsstunde und auch ein Kuß von ihrem Munde,
denn wie es ja gewöhnlich ist, zum Abschied wird doch stets geküßt.
Doch Ihre Köchin war nicht dumm, sie fiel beim Küssen langsam um.
Und hielt ich sie auch noch so lange, mein Gott, wie wurde mir so bange.
Ich wußte gar nicht, was sie wollte und was ich mit ihr machen sollte."

Da sprach der Pater ganz erregt "Was, meine Köchin hat sich hingelegt ?
Und du hast wohl in jener Nacht ein Bubenstück an ihr vollbracht !
Mein Sohn, du mußt verderben und ohne meinen Segen sterben.
Doch höre, was ich dir jetzt sage, du darfst von nun an 100 Tage
kein Bier und auch kein Fleisch genießen und nicht ein einzig Mädchen küssen.
Und hast du alles dies streng bereut
- durch strenges Fasten und durch strenges Beten -
dann kannst du wieder zu mir treten."

Da ging der Bauer langsam fort und dachte oft an dieses Wort.
Kein Bier und auch kein Fleisch genießen und nicht ein einzig Mädchen küssen.
Doch qualvoll schlich die Zeit dahin, da stand er einst mit trübem Sinn
an dem nahen Klostergarten und tät' auf seinen Nachbarn warten.
Da trat heraus die Oberin und rief mit freundschaftlichem Sinn :
"Hört, Dominik, kommt doch herein, ich gebe Euch ein gut Glas Wein."
"Ich darf nicht Bier, nicht Fleisch genießen und auch keine schöne Nonne küssen !"
"Ich geb' nicht Bier, ich geb' nur Wein - das wird doch nicht verboten sein !"
Und unser junger Bauernsohn war auch von Fleisch und Bein und dachte:
Ein gut Glas Wein nun trinken und eine schöne Nonne küssen,
das könntest du wohl auch genießen.
Sie schlichen in die Zelle beide und leerten dort den Kelch der Freude
bis auf den letzten Tropfen aus, am Morgen erst ging er nach Haus.

Und abermals mit frommen Sinn ging Dominik zu Beichte hin.
Und als der Pater ihn gefragt : "Hat Er gelebt, wie ich gesagt?"
Da sprach der Bauer "Ihr müßt verzeih'n, ich trank nicht Bier, ich trank nur Wein.
Ich hab' bei einer schönen Klosternonne
eine liebe lange Nacht in Lust und Freuden zugebracht."
Da fiel der Pater fast vom Stuhle "Du bist verdammt zum Höllenpfuhle !
Wie kann man so die Kirche lästern, Nonnen sind doch Christis Schwestern."

Da sprach der Bauer voller List "Hätt' ich nur früher das gewißt.
Sind Nonnen Gottes Töchterlein, da wird mir Gott von selbst verzeih'n.
Wenn es doch Christis Schwestern sind, dann bin ich auch ein frommes Kind.
Was hunger ich mich dann so mager ? Da brauch ich Euch nicht mehr, Herr Pater,
da ist ja Gott mein Schwiegervater !"

 

 



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